Wetware – Computer mit Gedanken steuern

29. Dez

Forschungsgruppen in den USA und in Europa beschäftigen sich schon seit einiger Zeit mit der Entwicklung von  Systemen zur direkten Kommunikation des menschlichen Gehirns mit Computern, sogenannter „Wetware“.

Brain Computer Interface © Flickr / .dh

Schon seit mehreren Jahren hört man immer wieder in den Medien von gedankengesteuerten Computerprogrammen. Doch so richtig reif für den Durchbruch schien die Technologie nie zu sein. Meist beschränkten sich die Anwendungsmöglichkeiten auf einfachste Prozesse oder Spiele wie PC-PingPong.

Dialog zwischen Mensch und Maschine

Touchscreen war gestern. Wer verschwendet seine Kraft schon mit solch ausladenden Handbewegungen, wenn die Steuerung des Computers auch mit den eigenen Gedanken möglich ist? Tatsächlich könnte der physische Kontakt zu unseren Maschinen bald überflüssig sein. So arbeiten beispielsweise das Fraunhofer Institut und die Berliner Charité seit Längerem an einer Schnittstelle zwischen Gehirn und Computer. Auch in Übersee, unter anderem an der Universität Toronto, forscht man intensiv an der Wetware (in Äquivalenz zu Soft-/Hardware).

Berlin Brain-Computer Interface (BBCI)

Forscher des Fraunhofer Instituts und Wissenschaftler der Klinik für Neurologie des Campus Benjamin Franklin der Charité Berlin entwickeln in einem interdisziplinären Projekt Möglichkeiten, auf der Basis von durch Gedanken ausgelösten Hirnströmen mit Computern zu kommunizieren. Bisher ist sind für Probanden stets längere Trainingsphasen für erste Erfolge nötig gewesen. Der neue Ansatz soll nun schneller auch von ungeübten Personen anwendbar sein. Der Schlüssel hierfür liegt in der Filterung der für den Rechner entscheidenden Daten aus der Flut der sekündlich produzierten Signale des menschlichen Gehirns.

Algorithmen zum maschinellen Lernen

Die Daten in Form der Hirnsignale des Menschen werden durch ein einfaches EEG mit an der Kopfhaut befestigten Elektroden gemessen und dann an den Computer übermittelt. Auf der Basis von Algorithmen zur Signalverarbeitung kann nun der Rechner im Idealfall Veränderungen der hirnelektrischen Ströme erkennen und diese beispielsweise – im einfachsten Fall – in der Auswahl zwischen zwei Alternativen verarbeiten.

Denkbar: Hirn-Rechnergestützter Arbeitsplatz

Anwendbar wären solche Technologien beispielsweise bei querschnittsgelähmten oder von Muskelschwund betroffenen Patienten. Diese könnten mithilfe des BCI wieder selbstständig Computer bedienen, indem sie zum Beispiel den Cursor mithilfe ihrer Gedanken steuern. Somit wären auch Tätigkeiten wie etwa das Schreiben am Rechner für körperlich behinderte Menschen wieder möglich. Auch der Einsatz in der Prothetik oder der Automobilindustrie ist denkbar und möglich.

Daneben existieren auch bereits Hirnstrom-lesende Headsets, die Bluetooth in Zukunft überflüssig machen könnten. Auch im Gaming-Bereich sind viele Anwendungsmöglichkeiten denkbar. Ob man allerdings so weit gehen muss, sich eine Kamera in den Kopf implantieren zu lassen, ist doch eher fragwürdig.Similar Posts: